Benefit Communication, oder: Warum Texte so wichtig sind
Ich war lange genug für das Marketing von IT-Unternehmen verantwortlich, um genau zu wissen, wie schrecklich unspektakulär das Thema Text in Broschüren, Pressetexten usw. ist.
Unternehmen investieren viel Geld in Marketing-Material wie Broschüren oder Internetseiten. Trotzdem bleibt die richtige Präsentation der Benefits häufig auf der Strecke.
In unserer Informations-Gesellschaft wird "trockenem" Text viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, ganz im Gegensatz zu den trendigen Bereichen Grafik, Design und Slogans.
Gigantischer Werbe-Etat, oder gesunder Menschenverstand?
Eins von beidem brauchen Sie, um Interessenten zu generieren! Falls Sie über ein riesiges Werbe- und Marketing-Budget verfügen, können Sie getrost auf einen pragmatischen Marketing-Ansatz verzichten und stattdessen auf knallige, tausendfach wiederholte Werbebotschaften setzen. Wer jedoch auch ohne gigantische Werbe-Etats mitspielen möchte, sollte sich auf seinen gesunden Menschverstand besinnen:
Offen, klar und anschaulich erklären, berichten und informieren.
Nur dann wird aus der anonymen Zielgruppe ein potentieller Kunde. Statt Information-Overkill in Form schriller, zum Teil fragwürdiger Werbebotschaften, lautet die Devise: Benefits so präsentieren, dass sie transparent nachvollziehbar sind - sprich: Inhalte liefern, Lösungen aufzeigen, Fragen beantworten und Unterstützung anbieten.
Eine Frage der Ehre? Vielleicht, aber mit Sicherheit eine der Höflichkeit
Höflichkeit, per definitionem eine Verhaltensweise, die den Respekt vor dem Gegenüber zum Ausdruck bringen soll, scheint völlig aus der Mode gekommen zu sein. Wer aber allen Ernstes glaubt, es sei unmodern, Kunden echte Argumente, Antworten und Lösungsvorschläge mit auf den Weg zu geben, der irrt.
Der Versuch, hochpreisige und komplexe Produkte nur mit Hilfe raffinierter Designs und inhaltsleerer Marketing-Parolen ins rechte Licht zu rücken, ist ein Schuss, der schnell nach hinten losgehen kann.
Allein aus Höflichkeit gegenüber Kunden und Interessenten sollten das positive Image eines Unternehmens, die Vorteile seiner Produkte und der Nutzen einer Investition klar und verständlich kommuniziert werden.
Texte sind das Letzte...
meistens jedenfalls und das, obwohl sie der Schlüssel zum Kunden sind. Ein typisches Beispiel: Ich erhalte eine Anfrage. Es geht um die Realisierung einer Produktbroschüre für eine neue Archivierungslösung. Man sagt mir: Das Konzept für den 4-Seiter würde schon stehen, das Layout auch. Jetzt fehle halt nur noch "irgendwie ein bisschen Text". Infos zur 20.000,- ? teuren Lösung erhielte ich gleich per E-Mail. Angehängt sei dann auch das .pdf Dokument der Broschüre mit dem End-Layout. Für den Text sei ein Umfang von ca. 300 Wörtern vorgesehen... Mein spontaner Gedanke:
"Tolles Konzept! Die Optik bestimmt den Inhalt? Wer um Himmels willen denkt sich so etwas aus?"
Texte sind häufig das Letzte - wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Sie werden gerne zum Schluss in neue Broschüren, Mailings, Internetseiten usw. hinein gequetscht. Mit 300 Wörtern lässt sich vielleicht Interesse wecken. Aber um wirklich die Vorteile, das Besondere und den Nutzen eines komplexen 20.000,- ? Produktes zu kommunizieren, braucht man mehr als einen Appetitanreger.
Zur Basis-Ausstattung einer effizienten Kommunikation gehören - auch wenn es vielen Werbe- und Marketingspezialisten völlig nebensächlich erscheint - Texte!
Sie transportieren relevante Informationen zu existierenden, oder potentiellen Kunden und sind somit der wesentliche Bestandteil eines Konzepts - oder sollten es zumindest sein. Denn nur dann ist eine Produktinformation eine Produktinformation und kein "Appetizer", der mehr Fragen offen lässt, als zu beantworten.
Teurer Mythos: Lieber trendige Optik, als trockener Text
Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines potentiellen Kunden: Er, oder sie sucht für ein bestimmtes Problem eine Lösung und ist bereit Geld zu investieren. Er, oder sie ist sich nicht sicher, ob das, was Ihr Unternehmen anbietet, das Richtige ist und fragt unverbindlich nach ersten Informationen. Sie schicken Ihre extravagante Imagebroschüre und verweisen auf Ihre Internetseite, beide nach dem Motto konzipiert: Lesen kostet Zeit und Zeit ist Geld! Also ist textlich alles so kurz und knapp wie möglich, optisch aber äußerst üppig gehalten. Schließlich soll ja erst einmal nur Interesse geweckt werden, den Rest macht dann schon die Vertriebsmannschaft... Das nervt!
Denn ein mündiger, nach einer Problemlösung suchender Interessent lechzt geradezu nach detaillierten Informationen! Er braucht Pro-Argumente und Nutzenargumentationen.
Er will Zahlen, Daten und "Hard Facts", die Gewissheit verschaffen und keine Marketing-Parolen mit austauschbaren Werbeversprechen, die ihn im Ungewissen lassen. Warum sollte jemand bei einem Unternehmen kaufen, dessen Stärken er nicht kennt, dem er nicht vertraut? Oder ein Produkt bestellen, dessen Nutzen nicht klar ist? Wie groß wird das Interesse nach der Lektüre sein, wenn das Info-Material nicht die gewünschten, erwarteten und benötigten Informationen enthält? Laut Kommunikationsmodell ist der Sendende dafür verantwortlich, was beim Empfänger ankommt. Betrachtet man jedoch Broschüren, Veröffentlichungen, usw. genauer, lässt das den Schluss zu, dass sich viele Marketing-Treibende dieser Verantwortung nicht bewusst sind. Sie knöpfen ihren Auftraggebern viel Geld für viel Optik, aber wenig Aussage ab und das kann ganz schön teuer werden.
Benefit Communication macht fit für den Wettbewerb
Resümee: Nur Marktführer, Unternehmen mit riesigen Werbe-Budgets, oder solche die keinen Mitbewerb haben (wo immer die auch zu finden sein mögen...), können auf eine klare Kommunikation der Benefits verzichten. Für alle anderen gilt:
Gute Leads gibt’s nur durch gute Produkte, die durch detaillierte und hilfreiche Informationen präsentiert werden.
Doch gute Texte unterstützen nicht nur die Neukundengewinnung. In Form von Kundenzeitschriften, Info-Mailings, oder sogar Handbüchern, fungieren sie auch als Bausteine für eine effiziente Betreuung der Bestandskunden. Soweit die Außenwirkung. Da sie aber auch innerhalb des Unternehmens als Informationsquelle dienen, sorgen sie für top-informierte, kompetente sowie motivierte Mitarbeiter und fördern die Corporate Identity. Das ist ein positiver Nebeneffekt guter Texte.
Eine klare, kontinuierliche und konsistente Präsentation der Features, Functions und Benefits macht die Kommunikation ganz einfach effizienter - sei sie nun intern, oder extern, geschrieben, oder gesprochen.
Das ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Potentielle Kunden betrachten den Markt äußerst kritisch, denn es geht um ihr Geld. Sie verfügen über ständig neue Möglichkeiten der Informationsgewinnung. Es waren Texte, sind Texte und werden auch zukünftig Texte sein, die ihnen die gewünschten Informationen liefern - oder eben nicht.
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